LL 79 2012 Paraneoplastische neurologische Syndrome - Deutsche Gesellschaft für Neurologie e. V. (2022)

8. Januar 2015 – Bitte beachten Sie:

Das Kapitel „Was gibt es Neues“ wurde überarbeitet. Der Abschnitt „Literatur“ ist ergänzt worden.

Inhaltsverzeichnis

  • Was gibt es Neues?
  • Die wichtigsten Empfehlungen auf einen Blick
  • Einführung
  • Definition und Klassifikation
  • Diagnostik
  • Therapie
  • Versorgungskoordination
  • Redaktionskomitee
  • Methodik der Leitlinienentwicklung
  • Literatur

Was gibt es Neues?

  • Europäische Registerdaten aus dem PNS Euronet (http://www.pnseuronet.org) geben erstmals einen umfassenden Überblick über die Prävalenz der verschiedenen klinischen paraneoplastischen neurologischen Syndrome und Antikörper in Europa (Giometto et al. 2010).
  • Europäische Richtlinien für die Durchführung der Tumorsuche bei paraneoplastischen neurologischen Syndromen empfehlen ein abgestuftes Vorgehen je nach wahrscheinlicher Tumorlokalisation (Titulaer et al. 2010).
  • Beim Lambert-Eaton-Myasthenie-Syndrom (LEMS) reichen 2 Jahre Follow-up ohne Tumornachweis zum Ausschluss einer paraneoplastischen Genese aus (Titulaer et al. 2008).
  • Ein neuer Score differenziert die paraneoplastische von der idiopathischen Form. Dieser beinhaltet klinische Parameter: Alter, Nikotingebrauch, Karnofsky Index, bulbäre Symptome, autonome Symptome. Ein Score >=3 sagt mit einer mehr als 90%igen Wahrscheinlichkeit ein zugrundeliegendes, kleinzelliges Bronchialkarzinoms (SCLC) vorher.
  • SOX-1-Ak unterscheiden mit einer Spezifität von 95 % und einer Sensitivität von 67 % zwischen einem paraneoplastischen LEMS bei kleinzelligem Bronchialkarzinom (SCLC) und einem idiopathischen LEMS (Titulaer et al. 2009).
  • Neue klinische und elektrophysiologische diagnostische Kriterien für die paraneoplastische sensorische Neuronopathie wurden veröffentlicht (Camdessanché et al. 2009).
  • Neue therapierelevante Untergruppen der limbischen Enzephalitis (NMDA-R-Ak, GABA(b)-R-Ak, AMPA-R-Ak und VGKC-Komplex-Ak: LGI1-Ak, CASPR2-Ak, Contactin-2-Ak) mit fakultativ paraneoplastischer Genese wurden charakterisiert, diese werden in der Leitlinie der DGN „Immunvermittelte Erkrankungen der grauen ZNS-Substanz sowie Neurosarkoidose" beschrieben.
  • Kürzlich wurden in einer Fallserie (n=31) Patienten mit multisegmentalen, meist symmetrischen, paraneoplastischen Myelitiden mit Beteiligung der grauen Substanz beschrieben. Bei diesen fanden sich meist Amphiphysin- oder CV2/CRMP5 Antikörper sowie kleinzellige Bronchialkarzinome oder Mamma-Karzinome. Allerdings war die Prognose trotz Behandlung schlecht.
  • Das Antigen der bisher als Anti-Tr bezeichneten Antikörperreaktivität wurde identifiziert. Es handelt sich um den delta/notch-like epidermal growth factor-related receptor (DNER).
  • Bei einer kleinen Gruppe von Patienten mit limbischen Enzephalitiden und Hodgkin-Lymphomen (Ophelia Syndrom) wurde ein Antikörper gegen den metabotropen Glutamatrezeptor 5 (mGluR5) beschrieben.

Die wichtigsten Empfehlungen auf einen Blick

  • Paraneoplastische neurologische Syndrome (PNS) sollen nach den derzeitigen Diagnosekriterien in gesicherte und mögliche paraneoplastische Syndrome eingeteilt werden.
  • Relevante Differenzialdiagnosen sollen ausgeschlossen werden.
  • Die Bestimmung der paraneoplastischen Antikörper soll in einem in der Diagnostik erfahrenen Labor erfolgen und auf 2 unabhängigen Labormethoden (Immunoblot bzw. Line-Assay und Immunhistochemie) beruhen. Bei Verdacht auf ein PNS sollte auf alle bekannten und etablierten gut charakterisierten Antikörper und möglichst auch auf Anti-Tr untersucht werden.
  • Die Art der paraneoplastischen Antikörper leitet die Tumorsuche, die Assoziation mit dem klinischen Syndrom ist geringer.
  • Die Tumorsuche erfolgt abgestuft nach vermuteter Tumorlokalisation. Das Ganzkörper-FDG-PET-CT ist nicht Bestandteil der Primärdiagnostik der PNS, kann aber in der sekundären oder tertiären Diagnostik sinnvoll sein. Das Ganzkörper-FDG-PET-CT ist beim Nachweis von nicht metastasierten Hauttumoren und differenzierten Teratomen wenig sensitiv.
  • Die Therapie besteht in erster Linie in der Tumortherapie.
  • Obwohl kontrollierte Studien zur Wirksamkeit einer Immunsuppression fehlen, erfolgt bei fehlendem Tumornachweis meist eine Immunsuppression. Zusätzlich zu einer systemischen Tumortherapie (= Chemotherapie) kann eine Immunsuppression unter individuellen Gesichtspunkten sinnvoll sein.
  • Die Immunsuppression sollte nach individueller Wirksamkeit und Verträglichkeit mit üblichen Substanzen oder Verfahren erfolgen. Eine Überlegenheit einzelner Substanzen ist nicht gesichert, üblicherweise beinhaltet das Therapieregime Cyclophosphamid. Ausnahmen hierzu stellen das LEMS (IVIg), das Stiff-Person-Syndrom (s. Leitlinie Stiff-Person-Syndrom) und die Enzephalitiden mit Antikörpern gegen neuronale Oberflächenantigene und GAD dar (NMDA-R-Ak, GABA(b)-R-Ak, AMPA-R-Ak und VGKC-Komplex-Ak; Leitlinie der DGN „Immunvermittelte Erkrankungen der grauen ZNS-Substanz sowie Neurosarkoidose") dar.
  • Symptomatische Therapien können hilfreich sein und sollten bei jedem PNS erwogen werden.
  • Laut Expertenmeinung sollte bei fehlendem Tumornachweis bei gesichertem PNS nach 3–6 Monaten und dann halbjährlich für mindestens 4 Jahre eine Tumorsuche mit den geeigneten Verfahren durchgeführt werden (Titulaer et al. 2010). Ausnahme: LEMS 2 Jahre (Titulaer et al. 2008).
  • Paraneoplastische Antikörper (meist niedrigtitrig) treten auch bei Patienten mit Tumoren ohne neurologische Symptome auf und sind dann nicht Ausdruck eines PNS.

Einführung

Inhalte dieser Leitlinie sind Aussagen zu Diagnostik und Therapie von paraneoplastischen neurologischen Syndromen (PNS). Durch die Empfehlungen soll die Qualität der Behandlung und Betreuung von Erkrankten verbessert und die Anwendung sinnvoller Verfahren in der Diagnostik gestärkt werden. Die Leitlinie ist aufgrund der hohen Versorgungsrelevanz durch den schwerwiegenden Verlauf sinnvoll und notwendig. Die interdisziplinäre Abstimmung mit den in der Behandlung beteiligten onkologischen Fachgesellschaften und der nuklearmedizinischen Fachgesellschaft ist notwendig und wird in dieser Leitlinie umgesetzt.

Definition und Klassifikation

Begriffsdefinition

Als PNS werden alle Komplikationen von Tumorerkrankungen bezeichnet, die nicht durch den Tumor selbst, Metastasen, vaskuläre, infektiöse, metabolische oder therapiebedingte Ursachen ausgelöst sind. Die häufigere Gruppe der nicht immunvermittelten, nicht neurologischen paraneoplastischen Erkrankungen (z. B. SIADH, paraendokrine Hormonsekretion, Koagulopathien) wird nicht in dieser Leitlinie beschrieben. Bei immunvermittelten PNS kann jede Ebene des Nervensystems, vom zentralen über das periphere Nervensystem, die neuromuskuläre Endplatte bis zum Muskel betroffen sein. Auch polytope Verteilungsmuster sind möglich. Die häufigsten ursächlichen Tumoren sind:

  • Bronchialkarzinom
  • Thymom
  • Mammakarzinom
  • Ovarialkarzinom
  • Ovarialteratom
  • Testistumoren
  • Lymphome
  • Hauttumoren (Merkel-Zell-Karzinome)

Klassifikation

PNS werden nach den Diagnosekriterien einer Expertengruppe in gesicherte und mögliche paraneoplastische Syndrome eingeteilt (Graus et al. 2004).

Europäische Registerdaten aus dem PNS Euronet (www.pnseuronet.org) geben einen umfassenden Überblick über die Prävalenz der verschiedenen klinischen paraneoplastischen neurologischen Syndrome und Antikörper in Europa (▶ Tab. 79.1 und ▶ Tab. 79.2).

Diagnostik

PNS stellen meist eine diagnostische Herausforderung dar. Die Art der paraneoplastischen Antikörper leitet die Tumorsuche (▶ Tab. 79.1). Bei Verdacht auf ein PNS sind insbesondere die Antikörper-negativen Fälle oft schwierig zu diagnostizieren. Hier helfen am ehesten der subakute Krankheitsbeginn und der meist progrediente Verlauf. Einige klinische Syndrome sind sehr spezifisch für das Vorliegen einer paraneoplastischen Genese und werden als „klassische“ PNS bezeichnet (▶ Tab. 79.3).

Chronische, nur gering progrediente Syndrome sind selten paraneoplastischer Ursache, PNS treten eher subakut oder akut (Tage bis Wochen), meist chronisch-progredient und selten schubförmig auf.

Klinische Untersuchung

Eine Übersicht über das diagnostische Vorgehen bei Verdacht auf ein PNS gibt ▶ Tab. 79.4. Notwendig ist eine umfassende Differenzialdiagnostik (▶ Tab. 79.5).

MRT: Bei PNS existieren keine spezifischen Auffälligkeiten in der MRT-Bildgebung der Neuroaxis. Zum Ausschluss von Differenzialdiagnosen ist jedoch insbesondere die MRT-Darstellung des Gehirns und Rückenmarks notwendig. Ein unauffälliges kranielles MRT schließt ein PNS nicht aus. Besonders bei den neuronalen Oberflächen-Antikörpern sind negative Befunde nicht selten (45 %) (Dalmau et al. 2008).

Liquoranalyse: Die Liquoruntersuchung ist sensitiver (93 %), jedoch unspezifisch (Psimaras et al. 2010). Der Liquor ist meist entzündlich verändert (1. häufig geringe lymphozytäre Pleozytosen und/oder 2. oligoklonale Banden, teils nur 3. Eiweißerhöhung; in 90 % ist mindestens 1 von 3 Befunden pathologisch). Die lymphozytäre Pleozytose nimmt mit zunehmender Dauer der Erkrankung ab (50 % während der ersten 3 Monate, 30 % danach), während die Schrankenstörung zunimmt. Bei 7 % ist der Liquor unauffällig (Psimaras et al. 2010).

Weitere Untersuchungen: Die weiteren paraklinischen Untersuchungen hängen vom betroffenen System ab (EEG bei limbischen Enzephalitiden, VEP bei Optikusneuritiden, EMG/NLG bei peripheren Syndromen, Elek­troretinogramm/optische Kohärenztomografie [OCT] bei Retinopathien).

Besteht der klinische Verdacht auf ein PNS und sind relevante Differenzialdiagnosen weitgehend ausgeschlossen, sollte eine weiterführende Diagnostik erfolgen.

Antikörper-Nachweis

Bei 80 % der Patienten mit gesichertem PNS lassen sich hochspezifische Antikörper (Ak) nachweisen (Giometto et al. 2010). In den meisten Fällen genügt die Einsendung von Serum, bei limbischen Enzephalitiden und bei Stiff-Person-Syndrom sollte ein Liquor und Serum-Pärchen eingesandt werden. Der Versand von Liquor und abzen­trifugiertem Serum kann bei Raumtemperatur, die mehrtägige Lagerung bei 4 °C erfolgen. Die Bestimmung der paraneoplastischen Antikörper soll in einem in der Diagnostik erfahrenen Labor erfolgen und auf zwei unabhängigen Labormethoden (Immunoblot bzw. Line-Assay und Immunhistochemie für paraneoplastische Antikörper, Immunfluoreszenz/-histochemie und zellbasierte Assays für Oberflächen-Ak) beruhen.

Der Nachweis eines gut charakterisierten, paraneoplastischen Ak (▶ Tab. 79.2) zusammen mit einer typischen oder atypischen klinischen Symptomatik beweist nach Ansicht eines Konsensuspapiers (Graus et al. 2004) ein PNS und damit das Vorliegen eines – möglicherweise nur noch nicht nachweisbaren – Tumors. Die teilcharakterisierten paraneoplastischen Antikörper sind als hinweisend auf das Vorliegen eines Tumors zu interpretieren. Relevant sind insbesondere Anti-Tr (Briani et al. 2011) und Anti-SOX-1 (Sabater et al. 2008). Finden sich keine gut charakterisierten paraneoplastischen Antikörper, kann bei Koinzidenz mit einem Tumor innerhalb von 2 bzw. 5 Jahren ein wahrscheinliches oder gesichertes PNS diagnostiziert werden (▶ Abb. 79.1). Diese Klassifikation basiert auf Expertenmeinung (Graus et al. 2004).

Abb. 79.1 Diagnostisches Vorgehen bei Verdacht auf ein paraneoplastisches neurologisches Syndrom. * = erhöhtes Tumorrisiko: Alter über 40 Jahre, kein Ansprechen auf Immuntherapie, Nikotingebrauch. Gut charakterisierter/teilcharakterisierter Antikörper siehe ▶ Tab. 79.2.

Einzelne PNS wie z. B. das Lambert-Eaton-Myasthenie-Syndrom (LEMS) kommen auch häufig idiopathisch (40 %) vor und stellen damit eine fakultativ paraneoplastische Erkrankung dar (Titulaer et al. 2008). Gleiches gilt für die autonome Neuropathie mit Nachweis hochtitriger, ganglionärer AchR-Ak (30 % paraneoplastisch) (McKeon et al. 2009). Nur in einem Teil der Fälle paraneoplastisch bedingt sind die neu beschriebenen Untergruppen der limbischen Enzephalitis durch Antikörper gegen neuronale Oberflächenantigene (▶ Tab. 79.2). Unbedingt beachtet werden muss, dass paraneoplastische onkoneurale Antikörper auch bei Patienten mit Tumoren ohne PNS – meist in niedrigerer Konzentration – nachgewiesen werden können, beispielsweise bei 29 % der Patienten mit einem kleinzelligen Bronchialkarzinom (Monstad et al. 2009). In diesem Fall liegt kein PNS vor.

Tumorsuche

Die Tumorsuche bei gesicherten PNS sollte abgestuft erfolgen (▶ Tab. 79.6). Die FDG-PET oder FDG-PET/CT bietet bei unauffälliger Primärdiagnostik eine zusätzliche Sensitivität (20–40 %) bei hoher Spezifität (85 %) (Hadjivassiliou et al. 2009). Dies gilt jedoch nicht für Mammakarzinome, nicht metastasierte Hauttumoren oder differenzierte Teratome.

Therapie

Therapeutischer Nihilismus aufgrund „schlechter Prognose“ ist bei PNS nicht gerechtfertigt. Einzelne klinische Syndrome sind besser reversibel als allgemein angenommen, z. B. limbische Enzephalitis (Gultekin et al. 2000, Bataller et al. 2007), sensorische Neuronopathie/Enzephalomyelitis (Sillevis Smitt et al. 2002), paraneoplastische zerebelläre Degeneration (Shams’ili et al. 2003). Die suffiziente Tumorbehandlung ist mit einer Besserung oder Stabilisierung der Erkrankung selbst bei Anti-Hu-assoziierten Enzephalomyelitiden korreliert (Graus et al. 2001, Sillevis Smitt et al. 2002).

Die Therapie von PNS gliedert sich in die Tumorbehandlung, die Immunsuppression bei fehlendem Tumornachweis und symptomatische Therapien.

Tumorbehandlung

Die therapeutische Wirksamkeit einer Tumorbehandlung lässt sich pathogenetisch mit der Entfernung der onkoneuralen Antigenquelle erklären. Die Evidenz der klinischen Wirksamkeit einer suffizienten Tumorbehandlung leitet sich aus großen retrospektiven Fallserien (Graus et al. 2001) oder großen Registerdaten (Candler et al. 2004) ab. Eine Tumorbehandlung ist mit einer Odds Ratio von 4,56 (95 %-Konfidenzintervall 1,62–12,86) mit einer Stabilisierung oder Besserung einer paraneoplastischen Enzephalomyelitis mit Anti-Hu-Antikörpern korreliert (Graus et al. 2001). Randomisierte klinische Studien sind aufgrund der Seltenheit dieser Erkrankungen nicht zu erwarten.

Die sinnvolle Diagnostik zur Tumorsuche beschreibt ▶ Tab. 79.6. Die wahrscheinlichste Tumorlokalisation kann mittels des klinischen Syndroms (▶ Tab. 79.1), der nachgewiesenen Antikörper (▶ Tab. 79.2) und weiterer Patientencharakteristika (Alter, Nikotinanamnese) eingegrenzt werden. Bei negativen Befunden in der primären bzw. sekundären Diagnostik kann ein FDG-PET optimalerweise mit koregistriertem CT durchgeführt werden, da es einen Zugewinn an Sensitivität darstellt (Basu et al. 2008, Hadjivassiliou et al. 2009, Titulaer et al. 2010). Bei suspektem FDG-PET-Befund ist eine rasche bioptische Sicherung unbedingt notwendig. Erfahrungsgemäß wird in Biopsien von FDG-anreichernden, suspekten Läsionen oft nur eine floride Entzündung ohne Malignitätszeichen nachgewiesen. Im entsprechenden Kontext sollte dies nicht davon abhalten, eine erneute bioptische Sicherung anzustreben.

Die Tumortherapie sollte eng mit den Onkologen abgestimmt werden, derzeit gibt es keine abweichenden Empfehlungen für die Tumorbehandlung onkologischer Patienten mit oder ohne PNS. Welcher Art die Tumorbehandlung (Operation, systemische Tumortherapie, Radiatio) ist, hängt primär vom Tumortyp und nicht vom PNS ab.

Bei fehlendem Tumornachweis sollte basierend auf den europäischen Leitlinien (Titulaer et al. 2010) initial nach 3–6 Monaten für mindestens 4 Jahre eine Tumorsuche mit den geeigneten Verfahren durchgeführt werden. Diese Empfehlungen basieren auf Expertenmeinungen. Eine Studie zeigt, dass beim LEMS eine 2-jährige Nachbeobachtungszeit ausreicht (Titulaer et al. 2008).

Immuntherapie

Obwohl die Wirksamkeit einer Immunsuppression in diesem Kontext nicht evidenzbasiert ist, werden die meisten Patienten mit einem PNS immunmodulierend bzw. immunsuppressiv behandelt. Dies beruht auf der pathophysiologischen Annahme, dass eine früh einsetzende Immuntherapie den neuronalen Untergang vermeiden oder zumindest bremsen kann. Eine Behandlung sollte daher so rasch wie möglich erfolgen. Ob eine Immunsuppression das Tumorwachstum beschleunigt, ist nicht abschließend erforscht. Hierüber sollte eine Aufklärung erfolgen. Bezüglich der Art der Immunmodulation gibt es keine Daten aus kontrollierten Studien, sie beruhen auf retrospektiven Fallserien (Graus et al. 2001, Sillevis Smitt et al. 2002) und kleinen unkontrollierten Studien (Keime-Guibert et al. 2000, Shams’ili et al. 2006). Beim LEMS kann eine Behandlung mit IVIg versucht werden (Keogh et al. 2011).

Immuntherapien und Dosierungen sowie Dosisintervalle sind in ▶ Tab. 79.7 aufgeführt. Sensorische Neuronopathien, sensomotorische Neuropathien und autonome Neuropathien sowie zentralnervöse PNS werden pragmatisch mit Steroidstößen (5 × 1 g Methylprednisolon i.v.) mit oraler Fortsetzung (1 mg/kg KG Prednisolonäquivalent) und individuellem Ausschleichschema behandelt. Nach 2 Wochen ohne Besserung oder Stabilisierung eines zuvor progredienten Syndroms ist bei zentralnervösen Syndromen eine Behandlung mit Cyclophosphamid üblich. Meist erfolgt eine intravenöse Stoßtherapie mit 750–1000 mg/m2 Körperoberfläche (in Einzelfällen bis 2000 mg/m2) alle 3–4 Wochen unter Blasenschutz mit Mesna (20 % der Cyclophosphamid-Dosis nach 0, 4 und 8 Stunden) und Antiemetika, z. B. Ondansetron (4–8 mg langsam i.v. vor Cyclophosphamid und dann bei Bedarf) oder Granisetron (3 mg) (Stark et al. 1995). Alle Immunsuppressiva sollten nur von in der Anwendung erfahrenen Ärzten gegeben werden. Bei isolierten peripheren neurologischen Manifestationen können therapeutisch IVIg (2 g/kg KG verteilt über 5 Tage) oder eine Plasmapherese eingesetzt werden. In Einzelfällen wurden IVIg auch mit Erfolg bei Hirnstamm- und Kleinhirnmanifestationen angewandt (Uchuya et al. 1996). Auch für die Wirksamkeit einer Protein-A-Immunadsorption gibt es schwache Hinweise aus Kasuistiken (Cher et al. 1995). Zu monoklonalen Antikörpertherapien existieren einzelne Kasuistiken und eine unkontrollierte Studie. Als Alternative zu Cyclophosphamid kann Rituximab entweder mit 375 mg/m2 Körperoberfläche monatlich über 4 Monate (Shams’ili et al. 2006) oder 1000 mg absolut an Tag 1 und Tag 15 analog zum Vorgehen bei Neuromyelitis optica (Cree et al. 2005) erwogen werden; ein Vorteil eines dieser Regime ist nicht belegt. Obwohl in diesem Kontext nicht evidenzbasiert, sollte bei längerfristiger Immunsuppression zur Vermeidung von steroidalen Nebenwirkungen zusätzlich zu oder anstatt von Steroiden mit Steroid sparenden Agenzien behandelt werden. Verwendet werden meist MTX (10–15 mg/Woche s.c.), Azathioprin (2,5 mg/kg KG), Mycophenolat Mofetil 2 g/d p.o. oder Ciclosporin A (nach Talspiegel). Eine Ausnahme zu diesen Empfehlungen bilden antikörpervermittelte zentralnervöse Erkrankungen (siehe DGN-Leitlinie „Immunvermittelte Erkrankungen der grauen ZNS-Substanz sowie Neurosarkoidose“) und das Stiff-Person-Syndrom (siehe Leitlinie „Stiff-Person-Syndrom“).

Im Rahmen einer systemischen Tumorbehandlung (= Chemotherapie) ist eine zusätzliche Immunsuppression mit weiteren Agenzien aus pathophysiologischen Überlegungen meist nicht sinnvoll. Nach individuellen Gesichtspunkten können IVIg und Steroide insbesondere bei peripheren Syndromen wirksam sein. Bei isolierter Radiatio oder Operation von Tumoren kann eine adjuvante Immunsuppression sinnvoll sein. Für die Wirksamkeit von im Rahmen alternativer oder komplementärer Therapieansätze verwendeter Immunstimulanzien existieren keine Daten, aus pathophysiologischen Gründen ist von deren Einsatz abzuraten.

Optionen für die symptomatische ­Therapie

In Abhängigkeit vom neurologischen Syndrom steht eine Vielzahl symptomatischer Therapiemaßnahmen zur Verfügung (▶ Tab. 79.8). So sollten neurophysiologisch basierte Physiotherapie, neuropsychologische und ergotherapeutische Behandlungen in Abhängigkeit von der Symptomatik verordnet werden. Spezialisierte neurologische Rehabilitation sollte initiiert werden, sobald die akutmedizinische Behandlung dies zulässt. Sofern es sich um ein inkurables Leiden handelt, sollte frühzeitig eine palliativmedizinische Expertise mit einbezogen werden.

Versorgungskoordination

Die Versorgung von Patienten mit PNS erfordert eine enge Verzahnung ambulanter und stationärer Bereiche. Aufgrund der Komplexität der Diagnostik erfolgen die Erstdiagnostik und Therapieinitiierung stationär.

Redaktionskomitee

Für die Deutsche Gesellschaft für Neurologie (DGN), für Österreich und die Schweiz:
Prof. Dr. F. Blaes, Klinik für Neurologie, Kreiskrankenhaus Gummersbach und Justus-Liebig-Universität Gießen
Prof. Dr. W. Grisold, Klinik für Neurologie, Ludwig-Boltzmann-Institut für Neuroonkologie, Wien
Dr. F. Leypoldt, Universitätsklinik Schleswig-Holstein Campus Kiel
Prof. Dr. S. Rauer, Klinik für Neurologie, Universität Freiburg
Prof. Dr. U. Roelcke, Kantonsspital Aarau
Prof. Dr. R. Voltz, Klinik für Palliativmedizin, Universität Köln
PD Dr. Klaus-Peter Wandinger, Universitätsklinik Schleswig-Holstein, Campus Lübeck
Prof. Dr. M. Weller, Klinik für Neurologie, Universität Zürich, Schweiz

Für die Deutsche Krebsgesellschaft (DKG):
Prof. Dr. S. Grabbe, Arbeitsgemeinschaft Dermatologische Onkologie, Deutsche Krebsgesellschaft, Johannes Gutenberg-Universität Mainz
Dr. J. Hübner, Sprecherin der Arbeitsgemeinschaft Prävention und integrative Medizin in der Onkologie (PRiO) Deutsche Krebsgesellschaft, Klinikum der J. W. Goethe-Universität Frankfurt
Prof. Dr. U.R. Kleeberg, Sprecher der Arbeitsgemeinschaft Palliativmedizin (APM), Deutsche Krebsgesellschaft, Hämatologisch-onkologische Praxis Altona (HOPA), Hamburg
Prof. Dr. S. Krege, Stellvertr. Sprecherin der Arbeitsgemeinschaft urologische Onkologie, Deutsche Krebsgesellschaft, Krefeld
PD Dr. S. Singer, Sprecherin Arbeitsgemeinschaft für Psychoonkologie, Deutsche Krebsgesellschaft, Abt. Medizinische Psychologie und Medizinische Soziologie, Universitätsklinikum Leipzig
Prof. Dr. W. Stummer, Arbeitsgemeinschaft Neuroonkologie (NOA), Deutsche Krebsgesellschaft, Klinik und Poliklinik für Neurochirurgie, Universitätsklinik Münster

Für die Deutsche Gesellschaft für Nuklearmedizin (DGN):
Prof. Dr. M. Schreckenberger, Deutsche Gesellschaft für Nuklearmedizin, Klinik für Nuklearmedizin, Johannes-Gutenberg-Universität Mainz

Für die Deutsche Gesellschaft für Hämatologie und Onkologie:
Prof. Dr. B. Wörmann, Deutsche Gesellschaft für Hämatologie und Onkologie, Berlin

Federführend: Dr. Frank Leypoldt, Neuroimmunologie, Klinische Chemie und Neuroimmunologische Ambulanz, Neurologie Universitätsklinik Schleswig-Holstein Campus Kiel, E-Mail: frank.leypoldt@uksh.de

Entwicklungsstufe der Leitlinie: S1 mit interdisziplinärer Abstimmung

Finanzierung der Leitlinie

Es fand keine externe Finanzierung statt. Die Autoren dieser Leitlinie arbeiteten ehrenamtlich an der Leitliniengestaltung.

Methodik der Leitlinienentwicklung

Zusammensetzung der Leitliniengruppe, Beteiligung von Interessengruppen

Die Zusammensetzung der Leitlinie orientiert sich an der gleichnamigen DGN Leitlinie 2008. Beteiligt sind die Österreichische Gesellschaft für Neurologie (ÖGN)(W. Grisold) und die Schweizerische Neurologische Gesellschaft (SNG) (U. Roelcke) sowie die Arbeitsgemeinschaften der Deutschen Krebs Gesellschaft (DKG), die Deutsche Gesellschaft für Hämatologie und Onkologie (DGHO) sowie die Deutsche Gesellschaft für Nuklearmedizin (DGN).

Recherche und Auswahl der wissenschaftlichen Belege

Bei der Leitlinienerstellung wurden publizierte Leitlinien der European Federation of Neurological Societies (EFNS) berücksichtigt. Alle anderen Empfehlungen basieren auf Konsensbildung der beteiligten Autoren aufgrund persönlicher Erfahrungen und unsystematischer Literaturrecherche.

Verfahren zur Konsensfindung

Diese Leitlinie wurde mittels mehrfacher Zirkulation per Email und einer Telefonkonferenz mit Abstimmung über kritische Punkte erstellt.

Literatur

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FAQs

Was ist ein Paraneoplastisches Syndrom? ›

Unter dem paraneoplastischen Syndrom (Paraneoplasie) versteht man Symptome oder Funktionsstörungen, die im Rahmen einer Krebserkrankung auftreten. Diese werden allerdings nicht durch das Gewebe verdrängende Wachstum des Tumors oder mögliche Metastasen verursacht.

Was ist eine paraneoplastische Polyneuropathie? ›

Die Paraneoplastische Polyneuropathie (PNS) tritt bei Krebspatienten auf. Die vielschichtige Symptomatik wird nicht direkt vom Primärtumor oder seinen Metastasen verursacht. Auslöser sind freigesetzte Botenstoffe, Hormone und Zytokine durch den Tumor.

Was ist eine Paraneoplastische Enzephalitis? ›

Enzephalitis & Paraneoplasien

Antikörper gegen das eigene Nervensystem führen zu vielfältigen Symptomen, die bei den betroffenen Patientinnen und Patienten von Bewusstseinsstörungen, Wesensänderungen und Gedächtnisstörungen bis hin zu epileptischen Anfällen, Bewegungsstörungen, Psychosen und Lähmungen reichen.

Was ist eine paraneoplastische Genese? ›

Als paraneoplastisches Syndrom bezeichnet man bestimmte Symptom- und Befundkonstellationen, die im Zusammenhang mit einer Tumorerkrankung auftreten, aber keine unmittelbare Folge des lokalen Tumorwachstums oder der Metastasenbildung sind.

Was versteht man unter einem Bronchialkarzinom? ›

Der Lungenkrebs oder das Bronchialkarzinom bezeichnet eine bösartige Erkrankung der Lunge respektive der Luftwege. Risikofaktoren sind vor allem Zigarettenrauch und berufsbedingte Staubbelastungen (z. B. durch Asbeststaub).

Welcher Tumor bei Polyneuropathie? ›

Eine Polyneuropathie durch Paraproteinämie kommt bei einer Reihe von lymphatischen Tumorerkrankungen vor. Hierzu zählen das Multiple Myelom, MGUS (Monoklonale Gammopathie unklarer Signifikanz), der Morbus Waldenström (lymphoplasmozytisches Lymphom) oder auch das POEMS-Syndrom.

Was ist die Krankheit PNS? ›

Die Paraneoplastischen neurologischen Syndrome (PNS) können definiert werden als Fernwirkung von Malignomen, die nicht durch den Tumor selbst, seine Metastasen, durch Infektion, Ischaemie oder Stoffwechsel-Entgleisungen verursacht sind. PNS sind selten, weniger als 1:10.000 Krebspatienten sind betroffen.

Was ist eine Autoimmunenzephalitis? ›

Die Autoimmunenzephalitis ist eine durch Antikörper gegen körpereigenes Gewebe ausgelöste Gehirnentzündung. Sie kann sich mit Anfällen, Gedächtnisstörungen und psychotischen Symptomen äußern. 2. November 2018 – Die Autoimmunenzephalitis ist ein Beispiel für den rasanten Fortschritt der neurologischen Forschung.

Was ist eine limbische Enzephalitis? ›

Limbische Enzephalitis ist ein Überbegriff für eine Gruppe von Entzündungen des Zentralnervensystems. Diese verlaufen zumeinst subakut und kommen praktisch nur bei Erwachsenen vor. Sie rufen u. a. psychiatrische Symptome und Krampfanfälle hervor.

Was ist ein Neuroblastom? ›

Das Neuroblastom ist eine Krebserkrankung des Nervensystems, die hauptsächlich Kleinkinder bis zum sechsten Lebensjahr betrifft. Mit etwa zehn Prozent aller kindlichen Krebserkrankungen sind Neuroblastome die zweithäufigsten soliden Tumoren (nach ZNS -Tumor‎en) im Kindes- und Jugendalter.

Wohin streut Lungenkrebs als erstes? ›

Der Tumor streut dabei meist zunächst über die Lymphbahnen in die Lymphknoten der Lungenwurzel oder des Raumes zwischen den Lungen (Mediastinum). Im weiteren Verlauf der Erkrankung breitet sich der Lungenkrebs weiter aus und es kommt zu Fernmetastasen.

Wie lange kann man mit einem Bronchialkarzinom leben? ›

Mit der richtigen Behandlung lässt sich die mittlere Überlebenszeit bei Kleinzelligem Bronchialkarzinom verlängern - bei Vorliegen von Metastasen in weiter entfernten Körperregionen (Fernmetastasen) auf acht bis zwölf Monate, bei Fehlen von Fernmetastasen auf 14 bis 20 Monate.

Wie sehen die Hände bei Lungenkrebs aus? ›

Enden der Finger sind rundlich aufgetrieben, Fingerkuppen (Weichteile) sind verdickt in Folge eines chronischen Sauerstoffmangels. Das sind bestimmte Blutzellen, die bei der Blutgerinnung eine wesentliche Rolle spielen.

Was sollte man bei Polyneuropathie nicht essen? ›

Die Ernährung sollte reich an Vitaminen sein und möglichst viele B-Vitamine enthalten. Ballaststoffe wirken sättigend und verhindern, dass Kohlenhydrate schnell ins Blut gehen. Das ist besonders wichtig bei einer diabetischen Polyneuropathie. Sie sollten Zucker, tierische Fette und Alkohol meiden.

Kann man mit Polyneuropathie im Rollstuhl landen? ›

Im Endstadium der Polyneuropathie sind Betroffene häufig auf einen Rollator oder gar einen Rollstuhl angewiesen. Die Patienten sind im Alltag stark eingeschränkt, können meist nur noch kurze Wege zurücklegen und verlieren die Fähigkeit den gewohnten Freizeitaktivitäten nachzugehen.

Ist Kaffee bei Polyneuropathie schädlich? ›

Kaffee und Tee bei Polyneuropathie

Die Koordination vegetativer und autonomer Nervenfunktionen kann durch Kaffeegenuss beeinträchtigt werden. Sie müssen bei einer Polyneuropathie nicht vollständig auf Kaffee verzichten. Zu empfehlen ist jedoch ein geringerer Konsum von Kaffee sowie Schwarzen Tee.

Kann Polyneuropathie das Gehirn befallen? ›

Die Polyneuropathie ist eine generalisierte Störung, die alle Anteile (motorisch, sensibel, vegetativ) der peripheren Nerven betreffen kann. In manchen Fällen sind nicht nur die Nerven am Körper, sondern auch die sogenannten Hirnnerven betroffen.

Was verschlimmert Polyneuropathie? ›

Für die Polyneuropathie sind zwei besonders häufige Auslöser bekannt: Diabetes mellitus (Zuckerkrankheit) und chronischer Alkoholmissbrauch.

Was tun bei Polyneuropathie in den Beinen? ›

Bei Schmerzen und Empfindungsstörungen in den Füßen haben sich Akupunktur und Fußreflexzonenmassage mit scharfen Salben (Capsaicin) bewährt. Viel Bewegung, zum Beispiel Aquagymnastik und Gehtraining, und Physiotherapie unterstützen die medikamentöse Behandlung und helfen, eine Polyneuropathie in Schach zu halten.

Wie merkt man eine Entzündung im Gehirn? ›

Warnsignale wie plötzliches hohes Fieber mit Übelkeit, Bewusstseinsstörungen und Kopfschmerzen sind ernst zu nehmen und sollten umgehend im Krankenhaus abgeklärt werden. Eine Entzündung des Gehirns erfordert eine zügige ärztliche Behandlung, um Komplikationen möglichst zu vermeiden.

Wie findet man heraus ob das Gehirn entzündet ist? ›

Symptome einer Gehirnentzündung
  1. Fieber.
  2. Kopfschmerzen.
  3. eine Trübung des Bewusstseins.
  4. Verwirrtheit.
  5. Gereiztheit.
  6. Gedächtnisstörungen.
  7. epileptische Anfälle.
  8. Lähmungen.

Woher kommt eine Entzündung im Gehirn? ›

Die Gehirnentzündung wird meist von Viren verursacht. Oft befallen die Viren zunächst einen anderen Teil des Körpers und lösen eine Krankheit wie Röteln, Masern, Mumps oder Dreitagefieber aus. Später dringen die Viren dann ins Gehirn vor.

Welche Antikörper bei Autoimmunenzephalitis? ›

Der Nachweis von IgG-NMDAR-Antikörpern im Zusammenhang mit dem klinischen Syndrom führt zur sicheren Diagnose der NMDAR-Enzephalitis.

Was steuert das limbische System? ›

Unser Limbisches System reguliert das Affekt- und Triebverhalten gegenüber der Umwelt. Alle eingehenden sensorischen Informationen werden im Limbischen System koordiniert und finden hier ihre emotionale Antwort. Besonders eng ist zum Beispiel der Geruchssinn mit dem Limbischen System verknüpft.

Was ist eine akute Enzephalitis? ›

Eine akute Enzephalitis bezeichnet eine Entzündung des Gehirns, die in den meisten Fällen durch Viren verursacht wird. Es handelt sich um eine bedrohliche Erkrankung, die mit Fieber, Bewusstseinsverlust und neurologischen Symptomen einhergeht. Bei frühzeitiger Therapie im Krankenhaus ist die Prognose jedoch gut.

Ist Neuroblastom tödlich? ›

Neuroblastome sind Tumoren des Kindesalters, die aus Zellen des embryonalen Nervensystems entstehen. Die Erkrankung verläuft individuell sehr unterschiedlich: Es gibt Fälle, in denen sich der Tumor spontan zurückbildet. In anderen Fällen verläuft die Krankheit tödlich.

Ist Neuroblastom heilbar? ›

Gute Heilungsaussichten bestehen beim Stadium 4S sowie in der Regel bei begrenzten Tumoren und bei jüngeren Kindern. Bei älteren Kindern mit metastasiertem Neuroblastom sind die Heilungsaussichten trotz intensiver Therapie noch immer ungünstig.

Ist ein Blastom immer bösartig? ›

Blastome heißen auch embryonale Tumoren. Sie kommen bei Kindern und Jugendlichen vor und sind während der Entwicklung von Organen und Geweben im Mutterleib entstanden. Karzinome sind häufige bösartige Tumoren, sie entstehen in den Organen, oft in Drüsen.

Ist Lungenkrebs und Bronchialkarzinom das gleiche? ›

Lungenkrebs, auch Lungenkarzinom oder Bronchialkarzinom genannt, ist eine häufige Krebserkrankung. Jährlich erkranken in Deutschland über 50.000 Menschen an Tumoren der Lunge oder Bronchien.

Ist ein Bronchialkarzinom immer bösartig? ›

Lungenkrebs ist ein bösartiger Tumor in der Lunge. In der medizinischen Fachsprache heisst die Krebserkrankung auch Lungenkarzinom oder Bronchialkarzinom. Tumore in der Lunge sind in den allermeisten Fällen bösartig – und nur selten gutartig.

Wo sitzt ein Bronchialkarzinom? ›

Lungenkrebs, auch Lungenkarzinom oder Bronchialkarzinom genannt, kann in allen Abschnitten der Lunge entstehen. Mehr als die Hälfte der Tumoren entwickeln sich in den oberen Teilen der Lungenflügel.

Wie wird ein Bronchialkarzinom behandelt? ›

Je nach ihrer Situation kommen für Patientinnen oder Patienten mit Bronchialkarzinom folgende Behandlungen infrage: Operation, Chemotherapie, Bestrahlung, zielgerichtete und immuntherapeutische Behandlungen.

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Author: Nathanial Hackett

Last Updated: 07/07/2022

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