Posttraumatische Störungen und ihre Behandlung (2023)

Zimmermann Eva

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Dieser Artikel versucht, zwei Fragen zu beantworten: Worum handelt es sich bei den posttraumatischen Belastungsstörungen und wie kann die Ärztin/der Arzt einem Menschen helfen, der von einem aussergewöhnlichen Ereignis betroffen ist?

Einleitung

Als «Trauma» bezeichnet man die Reaktion eines Menschen auf ein emotional schwerwiegendes Ereignis und nicht das Ereignis, das die Reaktion auslöst. Laut dem ICD-10 (Dilling 1992) ist ein Trauma «ein aussergewöhnlich belastendes Lebensereignis, das eine akute Belastungsreaktion hervorruft, oder eine besondere Veränderung im Leben, die zu einer anhaltend unangenehmen Situation geführt hat und eine Anpassungsstörung hervorruft» [1].

Bei jedem Menschen, der mit einem potenziell traumatisierenden Ereignis konfrontiert ist, kann eine psychische Reaktion ausgelöst werden, die ihn nachhaltig prägen kann. Diese möglichen Reaktionen werden insgesamt als akute Belastungsreaktion bezeichnet. Oftmals klingt diese Reaktion nach und nach ab, während die oder der Betroffene die eigenen Emotionen erkennt, akzeptiert und integriert. Da jedoch die Intensität des Ereignisses ebenso stark variieren kann wie die individuelle Reaktion darauf, weist der Einfluss eines Ereignisses auf das psychische Gleichgewicht und die Entwicklung von Symptomen eine grosse Palette ­verschiedener Reaktionen auf. Wenn dieser Zustand andauert, kann sich daraus ein posttraumatisches Stress-Syndrom (PTSD) oder eine posttraumatische ­Belastungsstörung (PTBS) entwickeln.

Laut Holbrook et al. [2] ist für Frauen das Risiko, eine PTBS zu entwickeln, höher als für Männer. Liegt eine PTBS vor, so korreliert dies unabhängig vom Geschlecht mit einer verminderten Lebensqualität. Der Einbezug von speziell für die Behandlung dieser Störungen ausgebildete Personen kann dann erforderlich werden.

Aktuelle Definition der PTBS

Seit1980 ist offiziell anerkannt, dass jeder Mensch, der einer aussergewöhnlich starken Belastung ausgesetzt ist, eine akute, verzögerte oder chronische posttraumatische Belastungsstörung entwickeln kann, mit den vier dafür typischen Anzeichen:

(Video) Posttraumatische Belastungsstörung — Schrecken ohne Ende? | Quarks

1.intrusive Bilder, Gedanken, Albträume usw.;

2.Vermeidungsverhalten gegenüber den auslösenden Umständen;

3.kognitive und emotionelle Veränderungen;

4.neurovegetative Aktivierung [3].

Um genau zu sein ist es wichtig zu beachten, dass das Trauma bzw. die posttraumatische Belastung also die Reaktion eines Menschen auf aussergewöhnliche Ereignisse ist und nicht das Ereignis selbst.

Das aussergewöhnlich belastende Agens bzw. das emotional schwerwiegende Erlebnis kann ein Ereignis sein, bei dem der Mensch mit dem Tod, schweren Verletzungen oder mit einer Bedrohung der körperlichen oder sexuellen Integrität konfrontiert ist. Die Betroffenen können unmittelbar (als direkte Opfer) oder als Zeugen (als indirekte Opfer) an dem emotional schwerwiegenden Ereignis beteiligt sein, oder auch von einem ­Ereignis erfahren, das einen nahestehenden Menschen betrifft. Derartige Ereignisse können etwa sein: Na­turkatastrophen (Überschwemmung, Wirbelsturm, ­Erdbeben usw.), Unfallkatastrophen (Autounfall oder Flugzeugabsturz, Brand usw.) sowie vorsätzlich herbeigeführte Katastrophen (Anschlag, Geiselnahme, Krieg, Folter usw.). Ob das Ereignis von Menschen oder von der Natur ausgelöst wurde, ist ebenso von Bedeutung für den Schweregrad der Störung wie die Frage, ob es sich um ein einzelnes oder wiederholtes Ereignis handelt. Im Allgemeinen ist die Störung stärker, wenn es sich um ein von Menschen ausgelöstes Ereignis handelt und wenn es sich wiederholt. In diesen Fällen ist eher eine komplexe PTBS oder eine dissoziative Störung zu diagnostizieren (diese Diagnosen sind nicht Gegenstand dieses Artikels).

Die vier charakteristischen Anzeichen der posttraumatischen Störung

1)Wiederholte Intrusionen, das heisst Eindruck des Wiedererlebens traumatischer Erinnerungen. Wiederkehrende Gedanken, Träume und Albträume oder «Flashbacks» drängen sich auf und verursachen eine starke Belastung und psychische Reaktionen (Angst, Depression, Panikattacken usw.) [4].

2)Vermeidungsverhalten gegenüber traumaassoziierten Reizen oder Gedanken, oder Vermeiden bestimmter Orte und Situationen, die schmerzhafte Erinnerungen wecken können. Unter Umständen besteht eine mentale Blockade, wenn sich die Betroffenen das Ereignis in Erinnerung zu rufen versuchen. Dies wird ebenfalls als psychisches Vermeidungsverhalten bezeichnet. Auch vollständige oder teilweise Amnesien sind Teil des unbewussten Vermeidens des belastenden Erlebnisses.

3)Die negativen Veränderungen von Kognition und Emotionen beginnen kurz nach dem traumatisierenden Ereignis. Die Betroffenen können emotionale Taubheit oder ein Entfremdungsgefühl gegenüber den Mitmenschen empfinden. Die Fähigkeit, anderen Interesse entgegenzubringen oder Emotionen wie Trauer, Empathie oder sexuelles Verlangen zu empfinden, kann vermindert sein. Kognitive Veränderungen können auftreten und andauern, etwa übertriebene oder verzerrte negative Vorstellungen (zum Beispiel: «Das Leben ist zu schwer», «Das Leben ist die Mühe nicht wert», «Die Menschen sind böse») oder kognitive Verzerrungen hinsichtlich der Ursachen (zum Beispiel: «Es ist meine Schuld», «Ich hätte etwa tun müssen», «Ich bin ein Versager»).

(Video) Psychotherapeutische Behandlung der Posttraumatischen Belastungsstörung

4)Eine Übererregung oder Hyperaktivität kann sich in Schlafstörungen, einer erhöhten Wachsamkeit (Hypervigilanz), einer verstärkten Nervosität und erhöhten Schreckhaftigkeit oder auch in ver­mehrtem Risikoverhalten äussern. Viele Betroffene ­empfinden Konzentrationsschwierigkeiten und sprechen von «extrem angespannten Nerven». Häufig sind gleichzeitig eine erhöhte Reizbarkeit und Aggressivität zu beobachten. Dieser Faktor bedingt oftmals Schlaf- und Essstörungen sowie auch den Missbrauch von Substanzen wie Nikotin, Koffein und Alkohol, aber auch von Drogen und Medikamenten. Das ist allerdings als ein Versuch der Selbstheilung einzuordnen und nicht als Abhängigkeit, auch wenn das Ergebnis ziemlich ähnlich scheint.

Alle diese Reaktionen sind normal und natürlich, wenn sie rasch in den Wochen nach dem Ereignis auftreten. Sie sollten jedoch spätestens in den ersten drei Monaten nach dem Ereignis abklingen, andernfalls kann eine PTBS diagnostiziert werden.

Direkt oder einige Monate nach dem Ereignis kann sich eines bzw. können sich mehrere dieser Symptome mit sehr unterschiedlicher Intensität manifestieren. Manche Menschen zeigen überhaupt keine Symptome, während andere durch ein breites Spektrum von Symptomen stark beeinträchtigt sind.

In fast allen Fällen weckt das emotionale Erleben des Ereignisses ein intensives Gefühl von Angst, Verzweiflung oder Ohnmacht. Aber auch weniger bedeutsame Situationen können eine PTBS verursachen, ohne Angst oder Verzweiflung auszulösen.

Die rasch nach dem Ereignis auftretenden Symptome werden also als «akute Belastungsreaktion» (ABR) ­bezeichnet und sollten innerhalb der drei folgenden ­Monate abklingen. Wenn die Symptome über diese drei Monate hinaus anhalten, spricht man von einer «posttraumatischen Belastungsstörung» (PTBS), die als pathologisch gilt und folglich eine psychothera­peutische Behandlung erfordert. Die Symptome können sich auch erst Monate oder (in vereinzelten Fällen) Jahre nach dem Ereignis manifestieren. Diese ver­zögerte Form einer PTBS ist schwieriger zu ­diagnostizieren, da die Betroffenen oftmals keine ­Verbindung zwischen dem Ereignis und den Symptomen herstellen. Eine Fehldiagnose, da nur die Symptome berücksichtigt werden (z.B. «Depression»), ist oft die Folge davon.

Risikofaktoren für eine PTBS

In Tabelle1 sind die Risikofaktoren für eine PTBS laut Brewin dargestellt [5]. Demzufolge ist der grösste Risikofaktor der Mangel an sozialer Unterstützung. Über eine gute soziale Unterstützung zu verfügen, gilt folglich als Schutzfaktor gegen die Entwicklung der Störung.

Posttraumatische Störungen und ihre Behandlung (1)

Tabelle1: Risikofaktoren für eine PTBS [5].
Mangel an sozialer Unterstützung.40
Belastungen im Alltag.32
Intensität des traumatisierenden Ereignisses.23
Andere negative Erfahrungen in der Kindheit.19
Geringere Intelligenz.18
Missbrauch in der Kindheit.14
Sozioökonomische Stellung.14
Geschlecht (Frauen).13
Psychiatrische Störung in der Familienanamnese.13
Traumata in der Anamnese.12
Psychiatrische Störung in der Anamnese.11
Geringere Bildung.10
Geringeres Alter.06
Ethnische Zugehörigkeit (Angehörige von ­Minderheiten).05
(Video) Posttraumatische Belastungsstörung - einfach erklärt

Ein Ihnen nahestehender Mensch hat ein emotional belastendes Ereignis erlebt. Was ist zu tun?

Ein emotional belastendes Ereignis kann stark widersprüchliche Reaktionen auslösen. Dass sie alle normal und natürlich sind, ist die wichtigste Botschaft, die man den Betroffenen übermitteln sollte. Nicht normal ist hingegen die erlebte Situation, das Ereignis. Sich dieser Person gegenüber verständnisvoll und warmherzig zu zeigen, ist die richtige Haltung. Ebenso sollte man sie zum Sprechen motivieren, auch wenn man nicht alle ihre Reaktion versteht, denn das beruhigt sie. Glauben Sie dem Menschen, selbst wenn das Erzählte wirr und unwahrscheinlich scheint. Zu Ihren Aufgaben zählt es nicht, die Erlebnisse des Betroffenen zu überprüfen oder zu bestätigen, hören Sie einfach aufmerksam zu, ohne zu urteilen. Bringen Sie die betroffene Person dazu, ihre Reaktionen anzuerkennen und zu akzeptieren. Sicherlich wird es eine gewisse Zeit dauern, bis die Symptome abklingen. Der traumatisierte Mensch wird niemals vergessen. Bemühen Sie sich, die anderen Faktoren, die ihn belasten könnten, zu verringern. Motivieren Sie ihn, Betätigungen zu planen, die ihn entspannen und aus denen er neue Kraft schöpfen kann. Achten Sie auf ungewohntes Verhalten und fordern Sie die Person auf, mit einem Spezialisten zu sprechen, wenn sich die Häufigkeit und die Intensität der Reaktionen nicht innert einiger Wochen verringern.

Was ist zu tun, wenn man selbst ein potenziell traumatisierendes Ereignis erlebt hat?

Um ein potenziell traumatisierendes Ereignis rasch hinter sich zu lassen, ist es wohl am besten, die vielfältigen Reaktionen zu erkennen und zu akzeptieren, auch wenn sie schmerzhaft sind. Wie gesagt: Diese Reaktionen sind normal, die erlebte Situation ist abnormal. Bleiben Sie in der Folge nicht allein. Verbringen Sie gegebenenfalls regelmässig Zeit mit einem nahestehenden Menschen, einige Stunden oder auch einige Tage. Stellen Sie sicher, dass Ihnen jemand Gesellschaft leistet, der in der Lage ist, Ihnen zuzuhören. Falls mehrere Personen das Ereignis miterlebt haben, empfiehlt sich, mit den anderen darüber zu sprechen, ohne jedoch jemanden zu zwingen, sich zu äussern. Einfach da zu sein und den anderen zuzuhören, zählt zu jenen Verhaltensweisen, zu denen man sich und andere motivieren sollte. Dies kann beispielsweise im Rahmen ­eines Gruppengesprächs erfolgen.

Planen Sie zudem Betätigungen ein, durch die Sie sich erholen (warmes Bad, Sport, Entspannung) und ablenken (Ausgehen, Hobby). Konsumieren Sie nach der Traumatisierung keine alkoholischen Getränke oder Drogen. Wenn Sie nach einigen Tagen keine merkliche Verringerung der Symptome feststellen, sollten Sie eine Fachperson konsultieren, zum Beispiel Ihre Hausärztin bzw. Ihren Hausarzt oder eine Spezialistin bzw. einen Spezialisten (auf Psychotraumatologie spezialisierter Psychiater oder Psychotherapeuten).

Was sollte man vermeiden?

Am wichtigsten ist, die Situation nicht zu verharmlosen, gleichzeitig sollte sie aber auch nicht übertrieben werden. Sagen Sie nicht: «Man muss vergessen», «Es ist doch nichts», oder «Tu so, als ob nichts geschehen wäre», da dies für einen betroffenen Menschen nicht möglich ist. Als Angehöriger dürfen Sie die Erfahrungen des Betroffenen nicht banalisieren, sonst könnte er sich unverstanden fühlen. Stellen Sie keinen Vergleich mit ähnlichen Situationen an, da das von den Opfern Erlebte in ihren Augen einzigartig ist. Machen Sie keine Vorwürfe, beharren Sie nicht auf dem ma­teriellen Verlust oder den beträchtlichen Alltagsveränderungen. Menschen, die über die durch ein trau­matisierendes Ereignis möglicherweise ausgelösten Reaktionen und die frühzeitig erforderlichen Massnahmen gut informiert sind, finden ihr Gleichgewicht rascher wieder als andere. Ebenso wichtig ist indes, nicht ausschliesslich über das Ereignis und das Geschehene zu sprechen, sondern zeitweise zur Normalität zurückzukehren. Dies erfordert ein Gleichgewicht zwischen Gesprächen, Zuhören, aber auch der Beschäftigung mit anderen Dingen und Ablenkung. Wenn Sie das Bedürfnis empfinden, eine Fachperson zu konsultieren, sollten Sie daran denken, dass sich frühzeitig Behandelte weit besser und rascher erholen als jene, die erst spät, wenn die Symptome bereits chronisch sind, behandelt werden.

Fazit

Seit38Jahren werden die Störungen infolge emotional schwerwiegender Ereignisse offiziell vom DSM-IV (Differential Statistical Manual) [6] und später vom DSM-5 [3] anerkannt, der weltweiten Referenz bei psychischen Störungen. In der Bevölkerung und unter Fachpersonen für psychische und somatische Gesundheit nimmt das Bewusstsein ständig zu, dass ein Mensch, der mit einem aussergewöhnlichen Ereignis konfrontiert ist, Störungen entwickeln kann, die der professionellen Behandlung bedürfen.

Laut APA (American Psychiatric Association) ist eine posttraumatische Belastungsstörung «ein krankhafter Zustand im Zuge eines aussergewöhnlich heftigen Ereignisses, das für jeden Menschen zu einer Belastung werden kann». Die Wahrnehmung einer Lebensbedrohung ist ein Vorhersagefaktor für eine PTBS [7].

Credits

Kopfbild: © Graphixchon | Dreamstime.com

Korrespondenzadresse

Korrespondenz:
Eva Zimmermann
Psychologue spécialiste en psychothérapie FSP
Co-directrice de l’institut romand de psychotraumatologie irpt
Route-Neuve 7A
CH-1700 Fribourg
eva[at]irpt.ch

(Video) So behandelt man eine posttraumatische Belastungsstörung

Literatur

1Dilling H, Mombour W, Schmidt MH (Hrs). Internationale Klassifikation psychischer Störungen. ICD-10 Kapitel V (F). Seite 154. Verlag Hans Huber, Bern, Göttingen, Toronto.

2Holbrook TL, Hoyt DB, Stein MB, Sieber WJ. Gender differences in long-term posttraumatic stress disorder outcomes after major trauma: women are at higher risk of adverse outcomes than men. JTrauma. 2002;53(5):882–8.

3DSM-V: Differential Statistical Manual, APA, 2013.

4Schnyder U, Cloitre M. Eds. (2015). Evidence Based Treatments for Trauma-Related Psychological Disorders. Heidelberg, New York, Dordrecht, London.

5Brewin CR, Andrews B, Valentine JD. Meta-analysis of risk factors for posttraumatic stress disorder in trauma-exposed adults. JConsult Clin Psychol. 2000;68(5):748–66.

6DSM-IV: Differential Statistical Manual, APA, 1980.

7Holbrook TL, Hoyt DB, Stein MB, Sieber WJ. Received threat to life predicts posttraumatic stress disorder after major trauma: risk factors and functional outcome. J Trauma. 2001;51(2):287–92; discussion 292–3.

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Posttraumatische Störungen und ihre Behandlung (2)
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FAQs

Wie äußert sich eine posttraumatische Störung? ›

Die typischen PTBS -Symptome:
  • Unerwünschtes Erinnern und Wiedererleben der Trauma-Situation (Flashbacks und Albträume)
  • Erlebnisse werden verdrängt, ähnliche Situationen aktiv vermieden.
  • Unruhe, Reizbarkeit, Schlafstörungen.
  • Soziale Abschottung, Abflachung der Interessen, emotionale Taubheit.

Was bedeutet posttraumatische Störungen? ›

Was ist eine Posttraumatische Belastungsstörung (PTBS)?

Die Posttraumatische Belastungsstörung (PTBS) tritt als eine verzögerte psychische Reaktion auf ein extrem belastendes Ereignis, eine Situation außergewöhnlicher Bedrohung oder katastrophenartigen Ausmaßes auf.

Kann man von PTBS geheilt werden? ›

Generell ist eine komplexe posttraumatische Belastungsstörung (PTBS) heilbar. Bei einem Drittel der Betroffenen gehen die PTBS-Symptome nach einem Jahr wieder zurück. Zwei Drittel der Betroffenen leiden jedoch viele Jahre an der Erkrankung.

Welche Arten von PTBS gibt es? ›

Abgrenzung
  • Akute Belastungsreaktion (F43. ...
  • Anpassungsstörung (F43. ...
  • Sonstige Reaktionen auf schwere Belastung (F43. 8), bspw. die Posttraumatische Verbitterungsstörung – PTED.
  • Andauernde Persönlichkeitsänderung nach Extrembelastung (F62. 0), auch beschrieben als Komplexe posttraumatische Belastungsstörung.

Welche Medikamente helfen bei PTBS? ›

In Deutschland sind nur zwei Mittel zur Behandlung der posttraumatischen Belastungsstörung zugelassen: die Antidepressiva Sertralin und Paroxetin. Studien zeigen, dass beide Wirkstoffe die Beschwerden lindern können.

Wie verhalten sich Menschen mit einer posttraumatischen Belastungsstörung? ›

Symptome sind meist eine generelle Angespanntheit, Angst und Gereiztheit. Patienten leiden zudem unter quälenden Erinnerungen oder dem gedanklichen Wiedererleben des Traumas. Eine Verdrängung oder Vermeidung von auslösenden Faktoren ist ebenfalls typisch für eine posttraumatische Belastungsstörung.

Was macht man in der Traumatherapie? ›

Die Traumatherapie teilt sich in 3 Phasen:

Sie braucht häufig die längste Zeit der gesamten Traumatherapie. In dieser Phase lernen die betroffenen Menschen mit Hilfe unterschiedlicher Techniken mit überflutenden Traumabildern, mit Ängsten, Alpträumen, Selbstverletzungen und suizidalen Impulsen umzugehen.

Sind Menschen mit PTBS gefährlich? ›

Statistische Untersuchungen haben gezeigt, dass Menschen mit PTBS ein erhöhtes Risiko haben körperlich krank zu werden. Arztbesuche sind deshalb bei PTBS-Betroffenen häufiger als bei der Allgemeinbevölkerung.

Wie kann man PTBS heilen? ›

Bei der Behandlung einer PTBS können beispielsweise Antidepressiva oder Antipsychotika verordnet werden. Sie kommen meist dann zum Einsatz, wenn der Patient (zunächst) nicht in der Lage ist, eine Traumatherapie zu manchen.

Wo sitzt Trauma im Körper? ›

Die mit dem Trauma in Verbindung stehenden Sinneseindrücke, körperlichen Zustände und Gefühle werden also in den sogenannten Mandelkernen im Gehirn gespeichert.

Können Menschen mit PTBS lieben? ›

Paartherapie lindert posttraumatische Symptome und verbessert Beziehung. In einer Studie an Paaren, bei denen ein Partner an Posttraumatischen Belastungsstörung (PTBS) leidet, zeigen kanadische Wissenschaftler, dass eine Paartherapie die PTBS-Symptome lindern und die Beziehung verbessern kann.

Wie löse ich ein Trauma auf? ›

Das Wichtigste nach dem Trauma:
  1. Sicherheit und Beruhigung. Sich in Sicherheit bringen, sich beruhigen, alles unternehmen, was je half, sich zu beruhigen, Ausruhen, die Erregung abklingen lassen. ...
  2. An hilfreiche Gewohnheiten anknüpfen. ...
  3. Über das Trauma reden! ...
  4. Übung „an Erfolge denken"

Was passiert wenn PTBS nicht behandelt wird? ›

Posttraumatische Belastungsstörungen - Prognose

Etwa die Hälfte der Betroffenen wird sogar ohne Behandlung gesund (Spontanremission). Bestehen die Symptome allerdings über Jahre, kommt es in etwa 30% der Fälle zu einem chronischen Verlauf.

Wie geht man mit jemandem um der eine PTBS hat? ›

Stelle dem Betroffenen nicht zu viel Fragen, sondern sei einfach in der Nähe, für den Fall, dass er dich braucht. Gib ihm, was er braucht, wenn er es überstanden hat. Menschen mit PTBS haben oft Schwierigkeiten damit, über ihr Erlebnis zu sprechen. Unterstütze ihn, ohne dich ihm aufzudrängen.

Wie lange dauert eine PTBS Therapie? ›

In der ambulanten Therapie werden meist ein oder zwei Mal pro Woche Therapiestunden durchgeführt. Für die Konfrontation mit dem Trauma werden aber meist längere Sitzungen (Doppelsitzungen mit 90 Minuten Dauer) eingeplant.

Ist eine PTBS eine schwere Krankheit? ›

Eine PTBS ist eine seelische Erkrankung. Sie kann als Folge eines belastenden Ereignisses auftreten, wie Krieg, Katastrophen oder Unfall. Das Geschehene kann das Leben dauerhaft beeinträchtigen: Betroffene erleben in Gedanken und Träumen das Grauen immer wieder.

Wie lange dauert eine stationäre Traumatherapie? ›

Die Behandlung beruht auf freiwilliger Basis. Die Behandlungsdauer ist abhängig von der jeweiligen Erkrankung und den gemeinsamen Therapiezielen. Traumatisierten Patienten bieten wir eine ca. sechswöchige Intervalltherapie an.

Ist PTBS eine Behinderung? ›

Von allen Trauma-Arten ausgehend, erkrankt etwa jeder zehnte Betroffene an einer PTBS. Wenn diese länger anhält und besonders schwerwiegend ist, kann sie als Behinderung geltend gemacht werden.

Wie merkt man dass man traumatisiert ist? ›

Die wichtigsten Symptome sind:
  1. Wiedererleben: Intrusionen, Flashbacks, Alpträume.
  2. Übererregung, Nervosität, Schreckhaftigkeit, Schlaflosigkeit.
  3. Reizbarkeit, Ungeduld, schlechte Laune.
  4. Vermeidung, emotionale Taubheit, Passivität, Rückzug.
  5. Misstrauen Scham- und Schuldgefühle, vermindertes Selbstwertgefühl.

Wie fühlen sich Menschen mit PTBS? ›

Manche Menschen mit PTBS ziehen sich zurück oder verlieren das Interesse an Dingen, die ihnen früher wichtig waren. Einige fühlen sich fremd im eigenen Leben. Manche verdrängen ihre Erfahrungen so stark, dass sie sich an wichtige Teile des traumatischen Geschehens nicht mehr erinnern.

Ist PTBS eine Psychose? ›

Patienten mit psychotischen Erkrankungen berichten häufig traumatische Erfahrun- gen in der Vergangenheit und zeigen Symptome einer posttraumatischen Belas- tungsstörung (PTBS). Bei diesen Patienten kann man auch häufig einem ungünstige- ren Verlauf der Erkrankung beobachten.

Was ist die beste Traumatherapie? ›

Bisher ist die Wirksamkeit für die kognitive Verhaltenstherapie und die EMDR in Studien am besten belegt.

Wie lange dauert Traumaverarbeitung? ›

Nach 14 Tagen, manchmal erst nach vier Wochen beginnen sich einige Betroffene vom Trauma zu erholen. Kommen weitere erschreckende Nachrichten oder belastende Lebensumstände hinzu, so verzögert sich die Erholungsphase und kann sogar gänzlich ausbleiben. Günstigenfalls sinkt jetzt auch die Dauererregung ab.

Wann darf EMDR nicht angewendet werden? ›

EMDR darf auf keinen Fall nicht angewendet werden bei: akuten Psychosen. schweren hirnorganischen Störungen, zum Beispiel Schlaganfall oder Schädel-Hirn-Trauma.

Was braucht ein traumatisierter Mensch? ›

Bei chronisch traumatisierten Menschen ist es von wesentlicher Bedeutung, sich aktiv auf die Wirkung des Traumas auf gegenwärtige Funktionen zu konzentrieren. Anderenfalls kann die Psychotherapie zuweilen die exzessive Beschäftigung mit dem Erlebten und die Fixierung an das Trauma wieder verstärken.

Wie kann ich jemand mit Trauma helfen? ›

Drücken Sie Ihr Verständnis aus und zeigen Sie ihm, dass er Ihnen vertrauen kann. Schaffen Sie Routine im Alltag zum Beispiel durch geregelte Essenszeiten und motivieren Sie zu gemeinsamen Entspannungsübungen. Schlafstörungen sind oft Teil einer PTBS, begleiten Sie Ihren Angehörigen daher abends ins Bett.

Welcher Sport bei PTBS? ›

Vor Einsetzen der PTBS machten 24% der Probanden Sport unter Anleitung und betrieben auch Gruppensportarten wie Fußball oder Tanzen. Nach Beginn der PTBS machten nur noch 4% Sport unter Anleitung und betrieben mehr individuelle Sportarten wie Walking.

Was ist die EMDR Methode? ›

Auf Deutsch bedeutet EMDR: „Desensibilisierung und Verarbeitung durch Augenbewegungen“. Mit der Methode können unter anderem die Folgen von psychischen Traumata behandelt werden, vor allem die Posttraumatische Belastungsstörung (PTBS).

Wie erkennt man ob jemand traumatisiert ist? ›

Die wichtigsten Symptome sind:
  • Wiedererleben: Intrusionen, Flashbacks, Alpträume.
  • Übererregung, Nervosität, Schreckhaftigkeit, Schlaflosigkeit.
  • Reizbarkeit, Ungeduld, schlechte Laune.
  • Vermeidung, emotionale Taubheit, Passivität, Rückzug.
  • Misstrauen Scham- und Schuldgefühle, vermindertes Selbstwertgefühl.

Sind Menschen mit PTBS gefährlich? ›

Statistische Untersuchungen haben gezeigt, dass Menschen mit PTBS ein erhöhtes Risiko haben körperlich krank zu werden. Arztbesuche sind deshalb bei PTBS-Betroffenen häufiger als bei der Allgemeinbevölkerung.

Habe ich eine posttraumatische Belastungsstörung? ›

Eine PTBS hat folgende Hauptsymptome:

Flashbacks - das unwillkürliche Erinnern und Wiedererlebens der Situation oder Verdrängung und Vergessen des Erlebten. Angst, Reizbarkeit und Nervosität, Schreckhaftigkeit und erhöhte Wachsamkeit. Teilnahmslosigkeit oder Gleichgültigkeit.

Was passiert wenn man eine posttraumatische Belastungsstörung nicht behandelt? ›

Verschiedene psychische, körperliche und soziale Symptome - wie Angst, Unruhe, Schlafstörungen, Depressivität und Verhaltensveränderungen - können folgen, die zur Beeinträchtigung im Alltag und zu subjektivem Leid führen.

Was braucht ein traumatisierter Mensch? ›

Bei chronisch traumatisierten Menschen ist es von wesentlicher Bedeutung, sich aktiv auf die Wirkung des Traumas auf gegenwärtige Funktionen zu konzentrieren. Anderenfalls kann die Psychotherapie zuweilen die exzessive Beschäftigung mit dem Erlebten und die Fixierung an das Trauma wieder verstärken.

Können traumatisierte Menschen lieben? ›

Häufig lässt es sich bei traumatisierten Menschen erkennen, dass sie sich zudem auch noch in andere traumatisierte Menschen verlieben und hier kommt ein Muster zum tragen, das sich traumatic Bonding nennt. Die beiden Verliebten erleben zunächst den Himmel auf Erden. Fühlen sich zutiefst verstanden und verbunden.

Wo speichert der Körper Trauma? ›

Die Amygdala speichert alle existenziell bedrohlichen Erfahrungen, also auch alle Traumata.

Wie kann ich einem traumatisierten Menschen helfen? ›

Drücken Sie Ihr Verständnis aus und zeigen Sie ihm, dass er Ihnen vertrauen kann. Schaffen Sie Routine im Alltag zum Beispiel durch geregelte Essenszeiten und motivieren Sie zu gemeinsamen Entspannungsübungen. Schlafstörungen sind oft Teil einer PTBS, begleiten Sie Ihren Angehörigen daher abends ins Bett.

Wie lange dauert eine PTBS Therapie? ›

Eine Posttraumatische Belastungsstörung dauert mit einer adäquaten Behandlung durchschnittlich 36 Monate, ohne Therapie hingegen durchschnittlich 64 Monate.

Wie löse ich ein Trauma auf? ›

Das Wichtigste nach dem Trauma:
  1. Sicherheit und Beruhigung. Sich in Sicherheit bringen, sich beruhigen, alles unternehmen, was je half, sich zu beruhigen, Ausruhen, die Erregung abklingen lassen. ...
  2. An hilfreiche Gewohnheiten anknüpfen. ...
  3. Über das Trauma reden! ...
  4. Übung „an Erfolge denken"

Wie lange braucht man um ein Trauma zu verarbeiten? ›

Nach 14 Tagen, manchmal erst nach vier Wochen beginnen sich einige Betroffene vom Trauma zu erholen. Kommen weitere erschreckende Nachrichten oder belastende Lebensumstände hinzu, so verzögert sich die Erholungsphase und kann sogar gänzlich ausbleiben. Günstigenfalls sinkt jetzt auch die Dauererregung ab.

Was ist der Unterschied zwischen PTSD und PTBS? ›

Posttraumatische Belastungsstörung (PTBS, oder auch die aus der englischen Bezeichnung Post-traumatic Stress Disorder stammende Abkürzung PTSD) entsteht in Folge eines Ereignisses, welches den drohenden Tod oder schwere Verletzungen beinhaltet oder eine massive Bedrohung der physischen Integrität der eigenen Person ...

Was ist ein posttraumatischer Stress? ›

Menschen mit Posttraumatischer Belastungsstörung (PTBS) leiden an den Folgen von außergewöhnlichem Stress und traumatischen Erlebnissen. Die Traumafolgen können sich im Alltag durch eine Vielzahl quälender Symptome bemerkbar machen, welche die Lebensqualität stark beeinträchtigen.

Wie läuft eine Traumatherapie ab? ›

Der Patient begibt sich emotional in das traumatische Erlebnis. Währenddessen bewegt der Therapeut seine Hand abwechselnd rasch nach links und nach rechts. Der Patient soll mit seinem Blick der Hand des Therapeuten folgen. Dieses Vorgehen wird solange wiederholt, bis die Angst nachlässt.

Wie kann man PTBS heilen? ›

Bei der Behandlung einer PTBS können beispielsweise Antidepressiva oder Antipsychotika verordnet werden. Sie kommen meist dann zum Einsatz, wenn der Patient (zunächst) nicht in der Lage ist, eine Traumatherapie zu manchen.

Kann ein Trauma eine Psychose auslösen? ›

Traumatische Erfahrungen in der Kindheit erhöhen das Risiko, als Erwachsener an einer psychotischen Störung zu erkranken. Laut einer Übersichtsarbeit australischer Psychologen wirkt sich dabei die Art der Erfahrung darauf aus, welche Symptome später im Vordergrund stehen.

Videos

1. Posttraumatische Belastungsstörung: Symptome, Ursachen, Behandlung
(Glückliches Leben)
2. Die Behandlung von Borderline-Persönlichkeitsstörungen nach DBT
(Elsevier DACH)
3. Kann es Dich auch treffen? PTBS als Überaktivierung der Erinnerungen an traumatische Erlebnisse!
(DoktorWeigl)
4. Posttraumatische Belastungsstörung nach sexuellem Missbrauch | Asklepios
(AsklepiosKliniken)
5. Merkmale einer Posttraumatischen Belastungsstörung
(Psychotherapie Ruland)
6. Behandlung von Traumafolgestörungen mit EMDR
(Klinik Friedenweiler)
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Author: Domingo Moore

Last Updated: 12/26/2022

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Name: Domingo Moore

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